Haarzähe Entscheidung – Keine klare Mehrheit absehbar
Nach einer Rekordbeteiligung und einem äußerst knappen Rennen steht Israel vor einer ungewissen Zukunft. Die Parlamentswahl am Dienstag hat keine eindeutigen Verhältnisse geschaffen, und die Regierungsbildung gestaltet sich äußerst schwierig. Obwohl die Opposition bereits den vermeintlichen Abgang von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verkündet, ist die Frage, wer das Land künftig führen wird, weiterhin offen.
Erste Prognosen nach der Wahl deuteten auf eine leichte Führung von Gadi Eisenkots Bündnis hin, wobei die Stimmenauszählung zunächst ein anderes Bild zeigte. Laut den Prognosen könnte Eisenkots Bündnis 52 bis 53 der 120 Mandate in der Knesset erringen, während Netanjahus Block bei etwa 50 Sitzen verbleiben könnte. Für eine Regierungsbildung sind mindestens 61 Mandate erforderlich.
Die rechtskonservative Likud-Partei unter Netanjahu liegt den Prognosen zufolge mit 24 bis 25 Mandaten vorn, während Eisenkots Partei Jaschar 21 bis 23 Sitze erhalten könnte. Die arabischen Parteien könnten eine entscheidende Rolle spielen: Die Raam-Partei könnte sieben Mandate erreichen, die Vereinigte Liste zwischen zehn und elf. Eine Koalition mit arabischen Parteien wird jedoch von beiden großen politischen Lagern abgelehnt, was die Bildung einer Mehrheit zusätzlich erschwert.
Die erste Teilauszählung hatte noch ein anderes Bild gezeigt, wobei Netanjahus Bündnis knapp in Führung lag. Diese Zahlen sind jedoch vorläufig und können sich im Laufe der Auszählung ändern, insbesondere da noch Stimmen von Soldaten und im Ausland lebenden Israelis berücksichtigt werden müssen.
Oppositionsführer Jair Lapid erklärte den Netanjahu-Block zum Verlierer und sprach von einem „totalen Kollaps„ der Regierung. Auch Vorsitzender der Demokraten, Jair Golan, sah eine „historische Gelegenheit“ für einen politischen Wandel. Außenminister Gideon Saar wies diese Jubelstimmung zurück und betonte die Stärke des Likud.
Insgesamt gaben 77,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, was die höchste Beteiligung seit 1999 darstellt. Es gab zudem Vorwürfe des Wahlbetrugs, die zu drei Festnahmen führten, die jedoch von der Wahlkommission als Einzelfälle abgetan wurden. Ein Antrag der Likud-Partei, die Wahllokale zu verlängern, wurde abgelehnt.
Sollte keine klare Mehrheit erzielt werden, drohen Israel erneut monatelange Verhandlungen und politische Unsicherheit. Das offizielle Wahlergebnis wird am 4. November erwartet, bevor Staatspräsident Jizchak Herzog entscheiden wird, welchen Politiker er mit der Regierungsbildung beauftragt. Die Wahl fand im Schatten des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober und des anschließenden Gaza-Kriegs statt.
Quelle und Entstehung
- Quelle
- Heute (Österreich)
- Originaltitel
- „Netanyahu zittert um Macht - Keine Mehrheit! Pattsituation nach Wahl in Israel“
- Erschienen
- 28. Oktober 2026, 07:21 Uhr
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