Kein Familienfoto mit Lawrow – Wadephul macht Wendung
Die G20-Außenminister in Atlanta (USA) trafen auf eine heikle Situation: Russlands Außenminister Sergej Lawrow nahm an dem Treffen teil, während sein Land weiterhin die Ukraine mit Raketen- und Drohnenangriffen terrorisiert, die Zivilisten, darunter auch Kinder, das Leben kosten. Die Frage, ob ein gemeinsames Foto mit Lawrow angebracht sei, sorgte für Diskussionen.
Am Donnerstag hatte Johann Wadephul, Deutschlands Außenminister, in einer Pressekonferenz betont, dass er bei Arbeitssitzungen „automatisch„ Bilder entstehen ließe und einem gemeinsamen Abschlussfoto nicht fernbleiben würde, da der Austausch mit anderen Ministern eine zentrale Aufgabe sei. Er betonte jedoch auch, dass es „keine Normalität“ zwischen Deutschland und Russland geben könne, solange der Krieg andauere.
Ein tragisches Beispiel für die Folgen des Krieges lieferten die Leichen von Natalia (48) und ihrer Tochter Polina (15), die bei einem Angriff in Saporischschja unter Trümmern gefunden wurden, noch an den Händen gefasst. Lawrows Anreise nach Atlanta hatte aufgrund von Überflugverboten mehr als 20 Stunden gedauert.
Nachdem Finanzminister Lars Klingbeil bereits im September ein gemeinsames Foto mit seinem russischen Kollegen in Asheville (North Carolina) verhindert hatte, diskutierten EU-Vertreter auch vor dem Treffen in Atlanta über die Möglichkeit eines Fotos mit oder ohne Lawrow.
In der Nacht auf Freitag gab es dann die überraschende Kehrtwende: Wadephul erklärte vor Reportern, es werde „auf jeden Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind„. Er betonte die Wichtigkeit des Austauschs, warnte aber vor „falschen optischen Signalen“.
Der frühere EU-Diplomat Klemens Fischer kritisierte Wadephuls sich ändernde Haltung. Einziges Foto mit Lawrow gab es 2024 beim G20-Gipfel in Rio, als Ex-Kanzler Olaf Scholz mit dem russischen Außenminister in der Gruppe der Staatschefs stand.
Deutschland fordert weiterhin Russlands Beteiligung an Verhandlungen zur Beendigung des Krieges. Wadephul hatte sich im September in New York mit Lawrow getroffen, der ihm daraufhin ein 21-seitiges Propaganda-Pamphlet überreichte, das den Massaker von Butscha als ukrainische Inszenierung darstellt. Wadephul bezeichnete das Treffen als überflüssig.
Quelle und Entstehung
- Quelle
- BILD (Deutschland)
- Originaltitel
- „Wadephul und Lawrow: Kein G20-Familienfoto nach Kehrtwende | Politik“
- Erschienen
- 30. Oktober 2026, 17:41 Uhr
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