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Moderne Thanatopraxie

Bestatter konserviert Leichname für Überführungen ins Ausland

Jörg Grandjean führt in Trier einen präzisen Eingriff durch: ein feiner Schnitt, eine Kanüle, ein Schlauch. Durch diesen werden hochdosiertes Konservierungs- und Desinfektionsmittel in die Blutbahn des Verstorbenen gepumpt, während altes Blut abfließt.

Tageskompass-Redaktion
· 2 Min. Lesezeit

„Das ist eine moderne Einbalsamierung,“ erklärt der Bestatter. Der Prozess ähnelt einer Dialyse, bei der die Flüssigkeiten im Körper ausgetauscht werden. „Dadurch kann der Beginn der Verwesung um vier bis sechs Wochen verzögert werden,“ so Grandjean, der als Thanatopraktiker tätig ist.

Derzeit konserviert sein Team einen Verstorbenen aus einem anderen europäischen Land, der in einem Krankenhaus in Rheinland-Pfalz verstorben ist. Die Einbalsamierung dient dazu, den Körper für die Überführung in das Heimatland vorzubereiten.

Solche Fälle sind keine Seltenheit, insbesondere bei internationalen Überführungen. „Es geht darum, den Angehörigen im Ausland die Möglichkeit zu geben, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden,“ so Grandjean. Dabei soll der Körper in einem gepflegten Zustand präsentiert werden, da er möglicherweise noch einmal aufgebahrt wird.

Grandjean hat bereits Leichname für Überführungen nach Australien und in die USA konserviert, sowie in andere europäische Länder. „Ich bin kein Zauberer,“ gibt er zu, „aber es gibt schon einiges, was man tun kann, um einen Verstorbenen aufzubereiten.“ Dazu gehört das Entfernen von Verfärbungen oder die Anwendung kosmetischer Maßnahmen.

Der 62-Jährige führt zusammen mit seiner Frau ein Bestattungshaus und wird schätzungsweise 10 bis 15 Mal jährlich als Einbalsamierer tätig. Er absolvierte 2015 eine zweijährige Fortbildung am Deutschen Institut für Thanatopraxie in Düsseldorf, aus persönlichem Interesse.

Das Institut hat bislang rund 160 Thanatopraktiker ausgebildet, die in Deutschland, Österreich und Tschechien tätig sind. Laut einem Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter kommen sie vor allem bei langen Überführungen oder wenn Angehörige eine Abschiednahme am offenen Sarg wünschen, zum Einsatz. Auch bei schweren Verletzungen oder längerer Liegezeit ist ihre Expertise erforderlich, um das äußere Erscheinungsbild wiederherzustellen.

In manchen Fällen rekonstruieren die Fachleute sogar Gliedmaßen oder Schädel, insbesondere nach unnatürlichen Todesfällen oder rechtsmedizinischen Untersuchungen.

Die Einbalsamierung ist in Deutschland eher unüblich, während sie in den USA, Großbritannien und Frankreich eine längere Tradition hat. Dort ist die Abschiednahme am offenen Sarg ein fester Bestandteil vieler Trauerfeiern. Auch in den Niederlanden werden Einbalsamierungen häufiger praktiziert, um Angehörigen die Möglichkeit zu geben, auch Tage nach dem Tod Abschied zu nehmen.

In Deutschland ist die hygienische Versorgung und Kühlung der übliche Standard. Der Verein Deutscher Einbalsamierer zählt rund 100 Mitglieder. In einigen Fällen ist die Einbalsamierung für Überführungen ins Ausland sogar gesetzlich vorgeschrieben.

„Der würdevolle Umgang mit dem Verstorbenen steht im Vordergrund,“ betont Grandjean, bevor er den Leichnam zurück in den Sarg legt, der ihn dann auf seiner letzten Reise begleitet.

Quelle und Entstehung

Quelle
FOCUS online (Deutschland)
Originaltitel
„Abschied am offenen Sarg: „Ich bin kein Zauberer, aber es geht schon einiges“, sagt Bestatter Jörg (62)“
Erschienen
1. November 2026, 06:00 Uhr

Dieser Text ist eine KI-gestützte Fassung der Meldung von FOCUS online. Unsere Redaktion hat ihn vor der Veröffentlichung geprüft und um die Einordnung ergänzt. Fakten, Zahlen und Zitate stammen aus der genannten Quelle. Wie wir arbeiten und KI einsetzen, erklären unsere redaktionellen Richtlinien.

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